Einleitung
Vielleicht hat sich schon der eine oder andere Leser einmal mit dem Gedanken auseinander gesetzt, selbst ein (historisches) Fahrzeug zu restaurieren. Ganz allgemein möchte ich im Folgenden ein paar Notwendigkeiten aufzählen, die meiner Meinung nach Jedemann bzw. Jedefrau mitbringen sollte, wenn er/sie sich an ein solches Projekt heranwagen möchte.
Wenn Dich schon seit längerem regelmäßig der Drang überkommt, an irgendetwas Altem herumzuschrauben und dieses vielleicht wieder in Gang bringen zu wollen und Du aber nicht so genau weißt, wie Du dieses Projekt anfangen sollst, dann bist Du hier genau richtig.
Das Wichtigste zuerst
Ja, was ist denn nun eigentlich das Wichtigste? Das Objekt der Begierde werden sicherlich viele Leser sofort sagen! Glaub ich nicht - zumindest meiner Erfahrung nach ...
Was braucht man(n)/frau immer, um sich einer solchen Aufgabe widmen zu können?
Zeit und Platz
Zeit
Die nötige Zeit, um sich seinem "Schätzchen" hingeben zu können, muss immer von wo anders "abgezwackt" werden! Denkt daran, auch Euer Tag hat nur 24 Stunden. Das bedeutet aber nicht mehr und nicht weniger, als dass Ihr irgendetwas Anderem oder wahrscheinlich irgendjemand Anderem die Zeit wegnehmt! Seit Euch bewußt, dass vorallem die zweibeinigen "Anderen" das manchmal gar nicht so "leiwand" finden! Man macht sich gerade zu Beginn keine Vorstellungen, wieviel Zeit so ein Hobby verlangt. Auf gefährliches Glatteis begibt man sich, wenn man sich selbst oder seinen Lieben ganz zu Beginn irgendeinen Zeitraum nennen möchte, bis zu dem man gaaanz sicher fertig ist. Vergesst es - funktioniert nie!
1. Tipp: Bleibt's ehrlich zu Euch selbst und Eurem Umfeld! Es dauert so lange, wie es dauert. Wenn es mal ein paar Wochen überhaupt nicht weiter geht, dann ist es halt so - keinen Stress - es soll ja Spaß machen!
Platz
Ein Fahrzeug ist schnell irgendwo hingestellt - ein nicht genutzer Garagenplatz, ein alter Stadel oder auch eine Fläche im Freien. Überlegt Euch gut, ob der Oldi dort gut untergebracht ist! Ihr wollt ja daran arbeiten - auch im Sommer und im Winter. Hobbies pflegt man gerne bei Schlechtwetter! Schrauben am Fahrzeug im Freien? Im ungeheizten Stadel, wo der Herbstwind durchpfeift?
Denkt auch daran, dass es mit der Abstellfläche lang nicht getan ist. Ihr werdet das Fahrzeug zerlegen, hunderte von Einzelteile wollen irgendwo gelagert werden - oft über Jahre! Vielleicht habt Ihr ja einen ungenutzen Dachboden - der ist zwar kalt, für die Lagerung in einfachen Regalen aber sicherlich perfekt.
2. Tipp: Bereitet alles ordentlich vor! Steckdosen an jeder Ecke, für gutes Licht sorgen, Regale aufbauen und sichern (die Teile sind mitunter sehr schwer)
Werkzeug
Herumwerken ohne Werkzeug, dass geht einfach nicht - eh klar! Eine gewisse Grundausstattung sollte man schon haben. Trotzdem bin ich nicht der Meinung, dass man sich gleich zu Beginn (ev. gar vor dem Kauf des Fahrzeuges) kompletter als eine professionelle Werkstatt ausrüsten muss. Kostet ja auch ordentlich Geld! Die Frage, was man nun wirklich unbedingt braucht und was man erst bei Notwendigkeit anschafft, ist sicher nicht leicht zu beantworten und birgt sicher reichlich Stoff für eine heiße Diskussion!
Prinzipiell kann man jedes Werkzeug in den unterschiedlichsten Preisklassen kaufen. Klar, meist (aber nicht immer) gilt: desto teurer, desto höher die Qualität. Trotzdem haltet Euch vor Augen, Ihr seit Hobby-Schrauber und führt kein professionelles Unternehmen, wo die Werzeuge jeden Tag viele Stunden auf's Äußerste genutzt und beansprucht werden. Es müssen nicht immer die renommiertesten Marken sein! Mein erster größerer Satz an Ratschen und Stecknüssen war vom Baumax und hat sicher nicht mehr als € 50.-- gekostet. Ist sicherlich inzwischen mehrere Jahrzehnte alt - hab ich noch immer im Einsatz. Teile die ich zerstört habe, habe ich eben dann einzeln (in besserer Qualität) nachgekauft. Was mir immer wichtig war, ist, dass Werkzeug-Sets, die aus vielen Teilen bestehen eine ordentliche Aufbewahrungsbox bieten, damit z.B. jede Nuss ihren Platz hat.
Unbedingt notwendige Basisausrüstung:
- Ratschen- und Stecknusssatz (bis ca. 32mm, 2 Ratschen 1/4 und 1/2 Zoll)
- Gabelschlüsselsatz bis min. 19mm
- Ringschlüsselsatz bis min. 19mm
- Schraubenzieher-Set (Schlitz, Kreuz starr in verschiedenen Größen)
- Bitset mit Bithalter (Schlitz, Kreuz, Imbus, Torx)
- Kombi- und Spitzzange
- Wagenheber und Unterstellböcke
- Schmiermittel und Rostlöser (z.B. WD40 od. Innotec Multispray 1000)
3. Tipp: Man braucht nicht das teuerste Profiwerkzeug - besorgt Euch zunächst günstige Sets und rüstet dieses im Bedarfsfall auf!
Die angeführten Werkzeuge sind das absolute Minimum und natürlich wird man im Laufe der Zeit einiges mehr benötigen. Besonders Druckluft-Werkzeuge und der damit verbundene Kompressor werden sicher bald auf der Wunschliste stehen. Wenn Ihr Euch unsicher seit, lasst Euch beraten - gerne auch hier!
Das Fahrzeug
Na klar, um das geht es ja letztendlich! Was es sein soll, weiß eh jeder selbst - hier nur ein paar Erfahrungen von mir. Laßt Euch Zeit! Nichts ist ein schlechterer Ratgeber als das typische "unbedingt, sofort Habenwollen"! Es wird Vieles angeboten und leider ist einiges davon einfach Schrott. Wenn die Entscheidung gefallen ist, setzt Euch zunächst ein Preislimit. Angebote, die in dieses Limit passen sieht man sich dann an. Fragt zunächst Euch wichtige Punkte per mail oder Telefon nach. Wenn das Wichtigste geklärt ist, das Fahrzeug vor Ort besichtigen.
4. Tipp: Nichts ist wichtiger, als Erfahrung sammeln - Farhzeuge besichtigen! Nicht kaufen, sondern Erfahrung sammeln!
Mit der Zeit werdet Ihr herausfinden, wo die typischen Schwachstellen liegen. Nach einiger Zeit findet man das Fahrzeug, dass seinen persönlichen Erwartungen und Ansprüchen an die Restaurierung entspricht. Ich persönlich habe rund ein (1) Jahr nach meinem Steyr gesucht und manchmal bin ich mir nicht sicher, ob ich nicht noch ein bisserl weiter suchen hätte sollen.
Natürlich kann man ein wenig handeln. Ich bin aber schon der Meinung, dass Dinge ihren Wert haben und wir in Österreich dies auch respektieren. Auch hier gilt: Erfahrung sammeln!