Oberflächenfinish

FarbtopfZum diesem Thema habe ich auch an anderer Stelle schon ein wenig geschrieben. Meine Überlegungen und Erfahrungen möchte in diesem Artikel zusammenfassen und konkretisieren. Rückblickend haben mich nur wenige andere Probleme so intensiv beschäftig, wie die Thematik "Lack & Farbe".

Natürlich habe ich auch im Internet recherchiert, wie andere Schrauber ihre Oldtimer lackieren. Besonders von Interesse waren natürlich die Erfahrungen bzw. die Vorgangsweisen bei der Restaurierung von alten Traktoren. Normalerweise wird der Traktor im zusammengebauten Zustand mit der Lackierpistole (also mittels Druckluft) lackiert. Einzig Sonderteile wie Räder bzw. Felgen, Kotflügeln, Motorhaube etc. werden demontiert und extra lackiert.

Traktor im Ganzen lackieren (c) http://steyr-allerlei.atverschiedene Lack-, Schmutz- und Ölschichten

Dies kam für mich aus mehreren Gründen nicht in Frage. Warum?

  • Mein Steyr 288 wurde bereits mehrmals unsachgemäß und in falscher Farbe überlackiert. Vor einer neuen Lackierung müssen die Oberflächen nicht nur gut gereinigt, sondern auch entlackt werden - die Arbeiten gehen sicher leichter von der Hand, wenn die Teile möglichst einzeln bearbeitet werden können.
  • Ich habe nicht viel Erfahrung mit der Lackierpistole und kann mir nicht vorstellen, dass ich es schaffe, alle Anbauteile von allen Seiten her mit einer gleichmäßigen Lackschicht zu versehen.
  • Ich besitze weder eine Lackierkabine (im Freien möchte ich nicht lackieren, da dauernd irgendwas rumfliegt und am feuchten Lack kleben bleibt; im Keller oder der Garage möchte ich aber auch nicht mit der Lackpistole lackieren, da ich den Lacknebel auch nicht überall haben möchte), noch einen Lacktrockner damit der Lack in vernünftiger Zeit durchtrocknet.

Wie beschrieben, möchte ich möglichst viele der nötigen Restaurierungsarbeiten selbst erledigen. Die Lackierung prinzipiell "outzusourcen" ist daher auch keine Option.

Nach reiflicher Überlegung und einigen Gesprächen mit Kollegen, habe ich mich entschieden, prinzipiell mit dem Pinsel zu lackieren. Nach den nötigen Vorbereitungen (Oberflächen säubern, entlacken, entfetten) wird zunächst mit Fritze Lacke L22 grundiert. Danach je nach Beanspruchung mit mit Relius Oldosit Metalprotect oder Brantho Korrux 3-in-1 in zwei Schichten lackiert. Oldosit Metalprotect ist etwas dicker in der Lackschicht, Korrux 3-in-1 dafür etwas härter. Arbeitet man sorgfältig, kann man vorallem auf den rauen Gußteilen tadellose Ergebnisse erzielen. Wird beim späteren Einsatz der Lack beschädigt, kann dieser schnell und einfach wieder (mit dem Pinsel) ausgebessert werden.

Lackieren

Im Folgenden möchte ich beschreiben, auf welche Punkte man meiner Erfahrung nach beim Lackieren mit dem Pinsel besonders achten sollte:

1. Allgemeines

Ich arbeite ausschließlich mit Einweg-Handschuhen. Damit ich kann ich die Teile jederzeit berühren/halten ohne Hautfett auf die Oberfläche zu übertragen bzw. meine Finger gleich mit zu lackieren.

Achtet darauf, dass in dem Raum, in dem Ihr lackiert, möglichst keine Luftbewegung stattfindet! Keine Ventilatoren, Luftentfeuchter oder große Flächenheizkörper verwenden - diese wirbeln feinsten Staub auf, der dann auf der frisch gestrichenen Oberfläche anhaftet. Je kühler bzw. feuchter der Raum, desto länger dauert die Trocknung des Lacks.

Die zu lackierenden Teile hänge ich an den (hoffentlich) vorhandenen Bohrungen auf. Dazu habe ich mir mehrere Haken an der Decke montiert, daran Ketten befestigt und daran mittels Drähten (Blumendraht für kleine, leichte Teile; Elektrodrähte ohne Isolierung für mittelschwere Teile) bzw. Fleischerhaken (für die wirklich schweren Teile) die zu lackierenden Werkstücke befestigt.

Werkstücke zum Lackieren vorbereiten

2. Vorbereiten des Werkstücks

Die zu lackierende Oberfläche muss absolut sauber und fettfrei sein. Nach Möglichkeit werden die Teile von mir sandgestrahlt. Nach dem Sandstrahlen bewege ich die Teile nur noch mit Handschuhen (Latex Einweghandschuhe), denn auch die Fettschicht an den Fingern ist bereits zuviel! Die sandgestrahlten Stücke sollten möglichst rasch die erste Schutzschicht (z.B. Grundierung) erhalten; bereits nach zwei (2) Tagen kann üblicherweise wieder deutlicher Flugrost sichtbar sein. Bevor ich mit der Lackierung beginne, werden die Oberflächen zusätzlich noch mit einem Entfetter (z.B. Entfetter auf Wasserbasis von Tiger-Lacke) gereinigt. Dadurch wird auch noch Staub oder feinster Sand entfernt.

Einspritzpumpengehäuse: demontiert und gereinigtEinspritzpumpengehäuse: sandgestrahltEinspritzpumpengehäuse: entfettet und vom Staub befreit

3.a. Vorbereiten des Lacks

Der Lack muss in der Dose ordentlich aufgerührt werden. Er darf nicht klumpen! Dies benötigt durchaus mehrere Minuten des Rührens. Wenn notwendig (also die Konsistenz zu dick ist), ist der Lack zu verdünnen. Als Verdünnung sollten ausschließlich die für dieses Produkt empfohlenen Verdünnungen zu verwenden!

Die benötigte Lackmenge über ein Lacksieb (190µm) in einen extra Behälter füllen. Dadurch werden kleinste Verunreinigungen oder Verdickungen ausgefiltert. Zum Umfüllen verwende ich kleine Kunststofflöffeln bzw. kleine, gereinigte Konservendosen.

Lacksieb 190µm

3.b. Lack zum Rollen

Wird der Lack mit der Rolle aufgebracht, muss er unbedingt verdünnt werden. Für Brantho Korrux 3-in-1 hat es sich bewährt, den Lack zunächst mit 20% Verdünnung und dann mit 20% Owatrol Oil zu vermengen. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass für das Rollen rund die doppelte Lackmenge (inkl. Verdünnung und Öl) nötig ist, als mit dem Pinsel.

3.c. Lack zum Spritzen

Wird mit der Lackierpistole gearbeitet, ist Brantho Korrux 3-in-1 ca. 10% zu verdünnen. Ein wesentliches Kriterium für die Verdünnung ist die verwendete Lackierpistole - hier sollte man einige Versuche anstellen, um die optimale Mischung herauszufinden.

4.a. Der Pinsel

Pinsel mit einer passenden Breite wählen. Keine billigen Baumarkt-Pinsel verwenden, sondern qualitativ hochwertige, zum verwendeten Lack passende Pinsel aus dem Fachmarkt nutzen. Diese verlieren keine Haare, die dann am Lack kleben und sind bei ordentlicher Reinigung viele Male verwendbar.

4.b. Die Rolle

Für größere glatte Flächen (z.B. Bleche, wie der Tank) verwende ich eine Velour-Rolle. Die Oberfläche wird damit viel gleichmäßiger und hat eine saubere Struktur.

4.c. Die Lackierpistole

Irgendwann wollte ich mich auch mit der Lackierpistole versuchen. Ich habe mich dazu entschlossen, Brantho Korrux 3-in-1 zu verwenden und den Empfehlungen folgend, diese Lackierpistole gekauft. Bei den Arbeiten wird der 2,5mm Düseneinsatz verwendet. Der Reinigungsaufwand ist bei der Lackierpistole sicherlich am höchsten, da das komplette System penibelst von Lackresten befreit werden muss, damit nichts verklebt und die Pistole auch nach längerer Zeit wieder einsatzbereit ist.

5. Das Lackieren

Den Lack zügig aber trotzdem ordentlich deckend auftragen. Die Strichrichtung immer beibehalten - diese sollte nach ein paar Sekunden nicht mehr sichtbar sein, da der Lack "zerfließt". Bleibt der Pinselstrich sichtbar ist der Lack zu dickflüssig.

Einspritzpumpengehäuse: Grundierung nach dem AuftragenEinspritzpumpengehäuse: Grundierung nach dem Trocknen

Den Decklack immer in zwei Schichten auftragen - nur damit ist sichergestellt, dass wirklich alle Stellen beschichtet sind; vorallem bei dickeren Lacken bleiben immer feinste Spalten durch die dann die Grundierung durchschimmert. Vor der zweiten Deckschicht hänge ich das Werkstück in einer anderen Bohrung auf.

Einspritzpumpengehäuse: 1. Schicht des Decklacks nach dem AufbringenEinspritzpumpengehäuse: 1. Schicht des Decklacks nach dem TrocknenEinspritzpumpengehäuse: 2. Schicht des Decklacks nach dem Trocknen

Es hat sich bewährt, zwischen zwei Arbeitsschritten, die Lackschicht einen Tag abtrocknen zu lassen.

6. Reinigung

Nach dem Lackieren den Pinsel sofort ordentlich reinigen. Ich presse zunächst mit einem Reinigungspapier den Lack aus den Pinselhaaren heraus, danach wird der Pinsel in bereits verwendeter Nitroverdünnung grob gereinigt, dann in frischer Nitroverdünnung fertig gereingt. Zu guter Letzt den Pinsel mit einem Fetzen auspressen - am Tuch sollte eigentlich nur mehr ein "Hauch" von der Farbe erkennbar sein.

Eine Rolle kann ebenfalls mehrmals verwendet werden, sofern man diese gesamt in Nitro-Verdünnung einlegt. Trotzdem muss man diese viel öfter auswechseln, als einen Pinsel.

Den restlichen Lack (sofern ohne Zusätze) zurück in die Dose schütten und darauf achten, dass der Deckel von der Lackdose ordertlich schließt, sonst trocknen der Lack in wenigen Tagen/Wochen aus. Die Konservendose ebenfalls mit Reinigungspapier auswischen, dann kann sie viele Male mit der gleichen Farbe (!) wiederverwendet werden. Reste, die mit Verdünnung und/oder Öl versetzt sind entsorge ich prinzipiell.

7. Ab- und Durchtrocknung

Wenn nötig, zum Beschleunigen der Trocknung Infrarot-Strahler verwenden, diesen aber nicht zu nahe an die Oberflächen heranführen! Die Oberflächentemperatur sollte nicht mehr als 60°C betragen - am besten mit einem Infrarot-Thermometer überprüfen.

Auch wenn der Lack "staub-" bzw- "grifftocken" ist, ist er noch lange nicht durchgetrocknen und damit komplett ausgehärtet. Je nach Umgegebungstemperatur und Luftfeuchte kann dies mehrere Tage dauern!

Pulverbeschichten

Im Verlauf der vielen Monate/Jahre, in denen ich mich jetzt schon mit dem Traktor beschäftige, habe ich natürlich auch so einiges dazu gelernt. Eine wirklich interessante Alternative zum klassichen Lackieren, ist das Pulverbeschichten. Dazu verwende ich eine Beschichtungspistole von electrostaticMagic. Zum Einbrennen des Pulverlacks habe ich mir einen eigenen "Einbrennofen" gebaut und bald auch erweitert (s. Einbrennofen II). Die Pulver können in jeder RAL-Farbe z.B. bei IGP IG Pulvertechnik GmbH bezogen werden. Je nach Farbe muss man für 3kg Pulver (hält ewig) mit rund € 60 - 80.-- rechnen.

Einspritzpumpengehäuse: mit dem Pulver beschichtete VorderseiteEinspritzpumpengehäuse: eingebranntes Pulver im OfenEinspritzpumpengehäuse: fertig ausgekühlter Pulverlack

Ich bin daher dazu übergegangen, alle Teile mit einer vernünftigen Größe pulverzubeschichten. Dazu werden die Teile zunächst sandgestrahlt, dann mit dem Pulver beschichtet (Stellen, die nicht beschichtet werden, sind abzudecken - z.B. mit einem Korken) und im Anschluss ca. 20-30 Minuten im Ofen bei 180°C gebacken. Nachdem das Werkstück ausgekühlt ist, ist der Lack fertig und belastbar - keine Trocknungszeit!

Brünieren

Nicht immer ist Lackieren oder Pulverbeschichten die erste Wahl zum Behandeln der Oberfläche. Beispielsweise eine eng gewickelte Spiralfeder zu lackieren wird nicht viel Sinn machen - die Lackschicht verbindet sich über die Wicklungen, die dann bei der ersten Beanspruchung aufbricht. Auch darf man nicht übersehen, dass jede Lackschicht eine gewisse Stärke hat - da kommen schnell ein paar Zehntel Millimeter dazu und plötzlich passt ein Bolzen nicht mehr durch die vorgesehene Bohrung!

Brünieranlage - von links nach rechts: Heißentfetten, Spülen, Brünieren, Spülen, Ölen

Hier bietet Brünieren eine Alternative! Auf Grund des Verfahrens (es wird mit Flüssigkeiten gearbeitet) werden auch knapp aneinanderliegende Bereicht (z.B. die erwähnte Feder) behandelt. Die Schichtdicke beträgt nur 1µm (ein Tausendstel Millimeter) - es passt sicher alles! Manchmal wurden auch brünierte Schrauben und Muttern verbaut. Diese sind heute nur mehr schwer erhältlich. Also "normale" Schrauben/Muttern kaufen, sandstrahlen und selbst brünieren!

Rückholfeder: ausgebaut und gereinigtAusrückhebel, Gabelkopf und Bolzen: ausgebaut und gereinigtRückholfeder: sandgestrahltAusrückgabel: sandgestrahltBrünnieren: div. Teile entfettenBrünnieren: div. Teile spülenBrünnieren: div. Teile direkt aus dem BrünierbadBrünnieren: div. Teile nach dem Brünierbad gespültBrünnieren: div. Teile nach dem Brünierbad gespült und angetrocknetBrünnieren: div. Teile nach dem ÖlbadBrünieren: fertig brünierte Rückholfeder, Ausrückgabel und -hebel, Bolzen und Filtergehäuse der Einspritzpumpe

Zu bedenke gilt es allerding, dass eine brünierte Oberfläche nur bedingt Schutz gegen Korossion bietet. Brünierte Teile sollten zusätzlich immer eingeölt (z.B. WD40 o.ä.) werden.

Nach dem Entfetten und Spülen werden die Werkstücke im 135°C heißen Brünierbad behandelt, bis der entsprechende Schwärzungsgrad erreicht ist. Abschließend werden die Teile noch in Öl getaucht, um den chemischen Prozess des Brünierens zu beenden.

Kaltbrünieren

Wer keine Möglichkeit hat auf eine Brünieranlage zuzugreifen, dem sei als Alternative das Kaltbrünieren empfohlen. Ich habe mich am System von GIMA versucht und durchaus ansprechende Ergebnisse erzielt.

Auf dem Foto von links nach rechts:
Entfetten, Spülen, Aktivieren, Spülen, Brünieren, Spülen, Konservieren

Kaltbrünieren: die einzelnen BäderKaltbrünieren: verschiedene VerschlußschraubenKaltbrünieren: EntfettenKaltbrünieren: SpülenKaltbrünieren: nach dem KonservierenKaltbrünieren: fertig getocknet

Die Teile müssen absolut rostfrei (sandstrahlen!) und fettfrei sein. Dann die vorgegebenen Zeiten genau einhalten - voila! Für eine "Küchenbrunierung" ist das Ergebnis perfekt!

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