Jeder Schrauber wird sich früher oder später mit der Frage konfrontiert sehen, wie stark er eine Schraube anziehen soll bzw. muss. Ebenso wird sicher jeder schon mal eine Schraube zu fest angezogen und dann den Schraubenkopf abgedreht haben. Spätestens wenn man dann stundenlang "Blut und Wasser" schwitzt, um die (abgerissene) Schraube wieder heraus zu bekommen, wird man sich Gedanken über die korrekte Anzieh(dreh)momente von Schrauben machen.
Schraube ist nicht gleich Schraube
Zunächst sollte man wissen, dass es verschiedene Schrauben gibt! Damit meine ich nicht den Durchmesser, die Länge oder die Gewindesteigung, sondern die Unterschiede bzgl. des verwendeten Materials - bei der Restaurierung von Oldtimern üblicherweise des Stahls. Hier gibt die "Festigkeitsklasse" (am Schraubenkopf zum Ablesen) Auskunft. Mir ist bis jetzt noch nie eine Schraube mit weniger als "8.8" untergekommen - also besonders beim Einkauf im Baumarkt aufpassen - dort werden oft nur "5.6" oder gar "4.6" angeboten. Davon sollte man tunlichst die Finger lassen.
Die Anziehmomente hängen neben der verwendeten Schraube auch von der Reibzahl ab. Diese ist nicht nur vom verwendeten Werkzeug, sondern vorallem davon abhängig, ob das Gewinde gefettet wird und dann vom verwendetet Schmierstoff. Damit wird klar, dass alle Angaben im Internet (z.B. bei Schraubennormen) nur einen Richtwert darstellen können. Trotzdem: beträgt der Richtwert z.B. ca. 50Nm sollte man weder darunter, noch deutlich darüber anziehen.
An anderer Stelle habe ich geschrieben, dass man beim Werkzeug nicht immer das teuerste kaufen muss. Um mit einem bestimmten Drehmoment eine Schraube anziehen zu können, ist ein Drehmomentschlüssel unbedingt notwendig. Hier sollte man schon einen Drehmomentschlüssel kaufen, der halbwegs genau funktioniert. Ein Qualitätsmerkmal ist sicher ein beiliegendes Prüfzertifikat. Auch rate ich ab, einen Drehmomentschlüssel zu suchen, der (angeblich) den kompletten typischen Bereich abdeckt - also von 20Nm bis 350Nm. Besser, man erwirbt zwei Schlüsseln. Einen bis ca. 80Nm und einen zweiten für die Bereiche darüber.
Nachfolgend ein paar Anzugsmomente der wichtigsten Schrauben:
| Regelgewinde | |
| Abmessung | Anziehmoment (Nm) |
| Festigkeitsklasse: | 8.8 |
| M 4x0,70 | 2,972 |
| M 5x0,80 | 6,030 |
| M 6x1,00 | 10,247 |
| M 8x1,25 | 24,931 |
| M 10x1,50 | 49,450 |
| M 12x1,75 | 86,320 |
| M 14x2,00 | 138,060 |
| M 16x2,00 | 214,980 |
| M 18x2,50 | 296,230 |
Wer es genau wissen möchte, noch eine kleine Exkursion in die Physik. Was ist eigentlich 1Nm (Newtonmeter)?
Newton ist die Einheit der Kraft F. Diese ist definiert mit F=m·a, also Masse multipliziert mit Beschleunigung. Möchte man nun ein Drehmoment M=F·l (Kraft multipliziert mit Länge) selbst (ohne Drehmomentschlüssel) anlegen oder einen Drehmomentschlüssel überprüfen, so nimmt man am besten einen Hebel mit 1m Länge (Stecknuss mit Gleitgriff und darüber geschobenen Rohr), steckt die Nuss so auf die Schraube, dass der Hebel horizontal steht. Am Ende des Hebels wird nun das Gewicht (die Masse) befestigt. Dieses übt dann die Kraft auf den Hebel aus.
Ein Beispiel:
Am Hebel wird ein Gewicht von 10kg befestigt. Die Erdbeschleunigung beträgt 9,81m/s², also ca. 10m/s². Macht mit F=m·a=100N; somit beträgt das Drehmoment M=F·l=100N·1m=100Nm!
Bewegt sich der Hebel nach unten, ist das Drehmoment von 100Nm (noch) nicht erreicht. Bleibt der Hebel in der Horizontalen, so hat man (zumindest) die 100Nm erreicht.
Ähnlich kann man einen Drehmomentschlüssel überprüfen! Man spannt den Schlüssel am 1/2"-Antrieb in einem Schraubstock ein, verlängert den Griff auf einen (1) Meter und befestigt am Ende das Gewicht. Hat man z.B. vorher am Schlüssel 100Nm eingestellt und befestigt dann 10kg am Ende des Hebels, sollte der Schlüssel auslösen. Natürlich hat der Drehmomentschlüssel so wie jedes andere Messinstrument einen gewissen Toleranzbereich.

