Ein interessantes Thema ist, wie bei jedem Dieselmotor, die richtige Einstellung des Föderbeginns der Einspritzpumpe des Steyr 288. Damit der Motor später korrekt läuft, muss zum genau richtigen Zeitpunkt die Einspritzpumpe den Diesel zur passenden Einspritzdüse und damit zur Vorkammer bzw. Kolben fördern.
Tatsächlich muss die Förderung schon einige Zeit vor dem oberen Totpunkt des Zylinders beginnen, da die Bewegung des Diesels durch die Leitungen und durch die Düsen auch etwas Zeit benötigt. Beim Steyr 288 ist der Föderbeginn 24° -1° vor dem OT (oberer Totpunkt des 1. Zylinders) festgelegt. Um die Einstellung vornehmen zu können, gilt es Einiges zu bedenkt! Aber der Reihe nach ...
Zunächst muss der Motor am 1. OT stehen. Dies kann normalerweise über die Markierung am Schwungrad kontrolliert werden. Da mein Motor aber noch nicht mit der Getriebeglocke verbunden ist, wo das Schaufenster angebracht ist, muss dafür die Markierung am Antriebszahnrad der Einspritzpumpe (wie hier beschrieben) verwendet werden. Fluchten die Markierung am Zahnrad und am Rädergehäuse, ist der 1. OT erreicht. Nun kann die Markierung am Schwung mit Klebeband markiert werden.
Dies ist nötig, da später die 24° abgelesen werden müssen und diese Skalierung befindet sich ausschließlich am Schwungrad!
Der richtige Förderbeginn wird letztlich an der Einspritzpumpe selbst eingestellt. Allerdings nicht über irgendwelche Regler oder Einstellschrauben an der Einspritzpumpe, sondern durch Verdrehen der kompletten Einspritzpumpe. Was bringt das? Prinzipiell ist die Nockenwelle der Einspritzpumpe über den Flansch der Pumpe mit dem Zahnrad (und damit mit dem eigentlichen Motor des Traktors) fest verbunden. Damit ist klar definiert - dreht sich der Motor weiter, dreht sich die Nockenwellein der Einspritzpumpe, Pumpenelemente werden entsprechend bewegt, Diesel eingespritzt. Passt nun der Einspritzmoment nicht, so muss die Nockenwelle der Einspritzpumpe zum Motor quasi verdreht werden; also früher oder später ein Pumpenelement betätigen. Dafür stehen zwei Möglichkeiten zur Verfügung: zunächst besitzt das Antriebszahnrad Langlöcher zur Befestigung des Flansches der Pumpe. Es kann also der Flansch der Pumpe leicht verdreht werden ohne das Antriebszahnrad zu bewegen. Anderseits sind auch der Befestigungslöcher der Pumpe selbst als Langlöcher ausgeführt - es kann also auch das Pumpengehäuse leicht verdreht werden.
Die Frage ist nun, wie stellt man an der Einspritzpumpe fest, dass die Förderung zu einem bestimmten Zeitpunkt beginnt? Im Internet gibt es dazu einige Erklärungen und auch Videos auf youtube. Ein wirklich gutes, wenn auch aus heutiger Sicht etwas skuriles Video (wahrscheinlich aus den 50er oder 60er-Jahren) findet Ihr hier. Prinzipiell ist es so, dass ein Kolben den Dieseltreibstoff in die Leitung drückt. Gehoben wird der Kolben über die Nockenwelle der Pumpe. Solange sich der Kolben nicht in der Aufwärtsbewegung befindet, kann neuer Kraftstoff einfließen. In anderen Worten: sobald sich der Kolben zu heben beginnt, beginnt die Einspritzung!
Mit diesem Wissen, kann man mehrere Methoden zur Einstellung ableiten. Diese werden auch im Internet oder im Reparaturhandbuch beschrieben.
Zunächst kann man den Seitendeckel der Einspritzpumpe abnehmen und die Bewegung des Kolbens für den 1. Zylinder beobachten. Beginnt sich dieser zu heben, ist der Moment erreicht. Nachteil: man muss die Pumpe (teilweise) zerlegen und den Kolben bei seinem Totpunkt zu beobachten, ist sicher auch nur etwas für gute Augen!
Eine weitere Möglichkeit ist es, ein Schauglas statt der Leitung zur Düse des 1. Zylinders zu montieren. Diese Variante wird im Reparaturhandbuch beschrieben. Hierbei braucht man an der Pumpe nichts zerlegen. Zunächst wird die Einspritzpumpe solange gedreht, bis etwas Diesel im Schauglas steht. Dann dreht man weiter, bis man erkennt, dass sich der Spiegel im Schauglas zu heben beginnt - damit wäre der Moment erreicht, an dem sich der Kolben der Pumpe zu heben bzw. die Förderung beginnt. Auch hier braucht man ein gutes Auge, um den sich hebenden Spiegel exakt zu erkennen. Alternativ zum Schauglas kann man auch ein Tropfrohr montieren. Beginnt es aus dem Rohr zu tropfen, ist der Föderbeginn erreicht.
Möglich wäre auch eine Messuhr an der Pumpe zu montieren, mit Hilfe dann der exakte Moment bestimmbar wäre. Dazu benötigt man neben der Messuhr auch einen passenden Adapter um die Messuhr mit der Pumpe zu verbinden.
Zu guter Letzt gibt es noch die Möglichkeit, den Förderbeginn mit Hilfe von (Druck-)luft zu bestimmen. Für diese Variante habe ich mich entschieden. Man macht sich hier den Umstand zu nutzen, dass ab dem Moment, zu dem sich der Kolben zu heben beginnt, kein Kraftstoff mehr einfließen kann. Bläst man nun Luft (statt dem Diesel) in die Einspritzpumpe kann diese ab dem Moment, an dem der Kolben sich zu heben beginnt, nicht mehr entweichen.
Ich habe daher am "Eingang" der Einspritzpumpe Druckluft (nicht mehr als 0,5 bar) aufgelegt und am "Ausgang" für den 1. Zylinder einen Schlauch in ein Glas mit Wasser geführt. Solange dort Luftblasen aufsteigen, dichtet der Kolben nicht ab, befindet sich also noch nicht in der Aufwärtsbewegung. Dazu folgende Bemerkungen:
Eingebracht wird die Luft mit Hilfe eines alten Ringnippels, an dem ich über einen kurzen Schlauch eine Ausblaspistole angeschlossen habe. Der Ringnippel wird mit zwei (2) Cu-Dichtungen und der passenden Hohlschraube an der Pumpe befestigt. Am "Ausgang" des 1. Zylinders muss zunächst das Rückschlagventil entfernt werden. Dazu die Sicherung lösen, die Schraubverbindung lösen und das Ventil entnehmen. Soweit ich das erkannt habe, dichtet das Ventil auch die Verbindung. Als Ersatz habe ich drei (3) CU-Dichtringe eingelegt und dann die Verschraubung wieder angebracht. Anschließend eine Druckleitung verschrauben und daran den Schlauch zum Glas befestigen.
Wird diese Methode gewählt, wenn die Pumpe schon in Betrieb war - also mit Diesel gefüllt ist - wird der Diesel beim ersten Beaufschlagen mit Druck ausgeblasen - also Vorsicht!
Ein weiterer Punkt darf nicht übersehen werden: Die Einspritzpumpe darf nicht auf Nullförderung stehen, da sonst die Kolben innen so verdreht werden, dass einfließender Diesel sofort wieder abfließt, was natürlich auch für die Luft gilt. Am besten den Hebel deutlich vom Anschlag weg drücken!
Steht der Schwung nun deutlich vor der 24°-Markierung "blubberts" im Glas gehörig! Nähert man sich den 24° durch Drehen am Schwung an, nimmt die Intensität der aufsteigenden Luftblasen ab. Ideal wäre es, wenn exakt bei 24° keine Luftblase mehr aus dem Schlauch herausgedrückt wird. Wenn doch, muss man den Flansch am Zahnrad bzw. das Pumpengehäuse leicht verdrehen. Hier ist sowohl Fingerspitzengefühl, als auch Geduld gefragt!
Aufpassen muss man auch darauf, dass man nicht übersieht, dass es vor der 24°-Marke schon noch (ein wenig) "blubbern" soll - also der Kolben soll sich wirklich erst bei 24° vor OT zu Heben beginnen!
Um besser (und leichter) arbeiten zu können, habe ich sowohl beim Antriebszahnrad, als auch bei der Pumpe selbst zunächst eine (!) normale Mutter verwendet - diese lässt sich leichter lösen/anziehen, als selbstsichernde Muttern, die an diesen Stellen eigentlich vorgesehen sind. Erst nachdem ich die richtige Einstellung gefunden hatte, habe ich die restlichen drei (3) (selbstsichernden) Mutterrn verschraubt und zu guter Letzt die normale Mutter durch ihr selbstsicherndes Pendant ersetzt.
Abschließend ist das Rückschlagventil (Dichtringe entfernen!) wieder einzusetzten, die Verschraubung mit 50-60Nm festzuziehen und die Sicherung zu montieren.







