Wie ich vor einer Ewigkeit das Getriebeöl abgelassen habe und im Zuge der Neulackierung auch einen Blick in das Getriebe des Steyr 288 gemacht habe, ist mir natürlich aufgefallen, dass dieses über die Jahrzehnte deutlich verunreinigt wurde, was vorallem durch die schwarzen Ablagerungen an der Gehäuseinnenseite erkennbar war.
Wie im damaligen Bericht geschrieben, konnte ich außer Abnützungen am Zahnrad zum Schalten der hinteren Zapfwelle keine Probleme im Getriebe selbst erkennen - ein Zerlegen des Getriebes war also nicht nötig. Die Frage die sich mir aber schon stellte, war, wie man das Getriebe reinigen könnte. Ich habe diese Frage im Zuge eines Besuchs bei der Tullner Oldtimer-Messe mit dem dort anwesenden Herrn Kaubek von Kaubek Öl erörtert. Hr. Kaubek gab mir den Tipp, ein günstiges, modernes Getriebeöl (15W-40) einzufüllen und dieses einige Zeit im Getriebe zu belassen. Moderen Öle sind mit Zusätzen versehen, die Ablagerung auflösen und diese im Öl schwebend halten - im Gegenzug zu Ölen von früher, wo sich die Verunreinigungen mit der Zeit am Boden sammelten. Natürlich muss das Öl dann abgelassen und durch ein für diesen Traktor geeignetes Getriebeöl (SAE 90) ersetzt werden.
Bei den verschiedenen Gelegenheiten, wo der Traktor gelaufen ist, um den Motor zu testen, habe ich immer wieder das Getriebe mitlaufen lassen, damit das "reinigende" Öl an alle Stellen verteilt wird. Dabei sind mir mehrere Punkte aufgefallen:
- Passt man nicht auf, so kann man die Schaltwelle für die hinter Zapfwelle so weit in das Gehäuse schieben, dass sich diese im Inneren des Getriebes aus der Schaltklaue aushängt - man kann dann die Welle ohne jeglichen Widerstand drehen - sie schaltet nichts mehr. Mit etwas Geschick kann man diese aber wieder genauso einhängen - macht aber keine große Freude!
- Man sollte penibel darauf achten, nicht zuviel Getriebeöl einzufüllen. Ist zu viel Öl im Getriebe, tritt dieses verstärkt bei den nächstgelegenen Schaltwellen aus.
- Auch wenn der Füllstand passt, schwitzen bei mir die durchgeführten Wellen für die Schalthebeln der Zapfwelle und für Acker-/Straßengruppe.
Laut Ersatzteileverzeichnis sind diese Schaltwellen mit einem O-Ring (13 x 2,5) abgedichtet. Um diese O-Ringe zu tauschen, kommt man wohl nicht umhin, das Getriebe zumindest teilweise zu zerlegen - müssen die Wellen doch aus der Gehäusedurchführung ausgebaut werden. Um dies zu vermeiden, habe ich nun einmal Folgendes unternommen:
- Das korrekte Getriebeöl (SAE 90) ist nicht so dünnflüssig und wird hoffentlich nicht so leicht den O-Ring überwinden.
- Über die betroffenen Wellen habe ich versucht, Silikonöl (Spraydose) einzubringen. Das Silikonöl sollte den O-Ring wieder etwas auffrischen bzw. geschmeidig machen.
- Mit einer medizinischen Spachtel habe ich Silikonfett in den Spalt gedrückt, in der Hoffnung, dass das Fett ebenfalls den O-Ring erreicht, den Spalt etwas abdichtet und den
- zusätzlich auf die Welle von außen angebrachten O-Ring (19,5 x 1mm) geschmeidig hält.
Zu guter Letzt habe ich dann die jeweils richtigen Schalthebeln aufgeschoben und mittels Federstift gesichert. Beim Schalthebel für die Zapfwelle ist dies gar nicht so einfach, da dieser, wie oben schon beschrieben, gerne nach innen, also in das Gehäuse ausweichen möchte. Ich habe mir daher einen kleinen Kegel angefertigt, mit dessen Hilfe ich zunächst Welle und Hebel zum Fluchten gebracht habe. Im Anschluss wurde dann der Federstift nachschoben, womit der Kegel auf der anderen Seite des Hebels wieder herausgefallen ist.
Bis jetzt konnte ich keine neuen Undichtigkeiten an den Hebeln feststellen.
Durch den Probebetrieb mit dem Getriebeöl erkannte ich natürlich auch recht schnell, wo sonst noch - also neben den erwähnten Hebeln - Öl austritt, also noch immer oder schon wieder Undichtigkeiten bestehen.
Zunächst sei hier - nicht ganz unerwartet - die vordere Zapfwelle erwähnt. An dieser trat wirklich massiv Getriebeöl aus! Wie im Bericht "vordere Zapfwelle" schon beschrieben, war diese stark korrodiert. Nach dem Entrosten (Sandstrahlen) verblieben hier einfach zu viele Schäden. Damit der Wellendichtring korrekt abdichtet, braucht es eine glatte Oberfläche, welche aber durch die Rostnarben einfach zu rau war. Ich habe daher die Zapfwelle gegen eine andere ausgetauscht.
Weiters trat nach einiger Zeit Getriebeöl beim Zwischengehäuse aus. Am Flansch zum Getriebe ist dafür eine kleine Bohrung vorgesehen. Es lag also die Vermutung nahe, dass mir beim Ersetzen des Lagerdeckels (vgl. Bericht) ein Fehler unterlaufen ist. Um an diesen zu gelangen, musste der Traktor am Getriebe nochmals geteilt werden. Tatsächlich musste ich feststellen, dass der Wellendichtring im Lagerdeckel etwas schief verbaut wurde. Den Wellendichtring habe ich gegen einen neuen ausgestauscht.
Auch am linken Achstrichter musste ich minimalste Ölspuren entdecken. Hier habe ich wirklich über viele Tage immer wieder kontrolliert, wo denn das Öl tatsächlich herkommt. Ich habe dann mit Hilfe meines Laufkrans den kompletten Achstrichter vom Zwischenachsgehäuse abgeschraubt. Ein Blick auf den Lagerflansch offbarte einen doch deutlich deformierten Wellendichtring. Nachdem ich auch den Lagerflansch abmontiert hatte und damit die Rückseite (Ölseite) inspizieren konnte, stellte ich fest, dass die Feder des Wellendichtrings aus ihrer Führung gesprungen war. Da ich bei der Montage doch äußerst sorgfälltig vorgegangen bin, ist es mir eigentlich nicht ersichtlich, wie dies geschehen konnte. Auch finde ich es erstaunlich, dass trotz dieser augenscheinlich schweren Mängel der Ölaustritt nur marginal war. Auch hier habe ich den Wellendichtring ersetzt.
Selbstverständlich musste vor den Reparaturarbeiten das Getriebeöl wieder abgelassen werden. Wie am Bild erkennbar, haben sich die Verschmutzungen im Bereich, wo das Öl gut wirken konnte (bis zur Füllstandskante) bereits deutlich reduziert.






